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Joachim Schneidmadl Vm2
© Virtual Minds
Mensch-Maschine Adserver

Joachim Schneidmadl - Virtual Minds' Außenminister

Der Mensch: Joachim Schneidmadl, COO von Virtual Minds. Die Maschine: Die Full-Stack-Adserving-Lösung.

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Die Virtual Minds AG kennt niemand so recht. Folglich gilt dasselbe für Joachim Schneidmadl, den Chef. Er repräsentiert als COO die Technologie- und Medienholding seit 2012 im Markt. Nur wer schaut schon auf die Technik, auf so etwas wie Adserver und die Peripherie? Noch dazu hat Schneidmadl sein Büro in Freiburg, am äußersten Rand der Internetrepublik. In Neuland hingegen sitzt VM mittendrin. Nahezu jeder deutsche Bürger, der zu dem 59,7 Millionen gehört, die sich im Netz bewegen, sieht die Arbeit des Konzerns täglich, um nicht zu sagen permanent. Neben AOLs Adtech und vielleicht noch Appnexus gilt der Adserver von Adition, den die Freiburger seit 2005 im Markt haben, als einzig echte Alternative zu Googles Doubleclick-Universum. Und das betont Schneidmadl gerne. 

Das hört sich zunächst etwas großspurig an. Aber wer Schneidmadl kennt, weiß, dass er kein Lautsprecher ist. Als passionierter Bergsteiger gehört er eher zu den ruhigen, bedächtigen und überlegten Menschen im Markt. Was nicht heißt, dass er keine hochgesteckten Ziele hat. Aber Planung, Voraussicht und Bedacht sind auch wesentliche Teile seiner Bergsteigerleidenschaft. Ohne solche Tugenden wären Touren im Himalaya, im turkmenischen Thien-Shan-Gebirge und in den Anden, die Schneidmadl mit seiner Frau schon bis auf über 6000 Meter gebracht haben, dummer Leichtsinn. Solche Ziele zu erreichen, ist grundsätzlich mit Anstrengung und Schmerzen verbunden. "In der Höhe kostet jeder Schritt enorm viel Kraft. Aber wenn der Gipfel erreicht ist, ist alle Mühe vergessen", sagt Schneidmadl.

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 Im Job gilt es ebenfalls, viele Gipfel zu erreichen. Nur das Ziel ist bekanntlich für Bergsteiger in erster Linie der Weg. Im Fall von Adition ist dies eine sogenannte Full-Stack-Adserver-Lösung, sprich das Unternehmen will für alle Teilbereiche eine Lösung bieten, wie Google. Der steile Weg dorthin lässt sich gut an der Historie des Unternehmens ablesen: Bereits 2004 wurde der Adsering-Anbieter Adition gegründet. Über diverse Zukäufe und Gründungen kamen über die Jahre auch Yieldlab (SSP für die Anbieter-/Vermarkterseite), Active Agent (DSP für die Agenturseite), Batch (Brand Safety und Ad Verification) und The Adex (DMP, die Daten ins Real Time Advertising einbindet) hinzu. Und alle leisten ihren Beitrag für eine Komplettlösung. 

Schneidmadl koordiniert dieses Konstrukt seit 2012. Er kam von Intellishop als COO ins Unternehmen, um mit CEO und Gründer Andreas Kleiser VM auf den nächsten Wachstumsschritt zu trimmen. Seither verantwortet er gruppenübergreifend die Produktstrategie sowie den internationalen Expansionskurs des Unternehmens. Gleichzeitig ist der gebürtige Augsburger so etwas wie der Außenminister und Großkoordinator, der mit Geduld und Überzeugungskraft die Fäden zieht. Er selbst sagt, er sei CMFA – "Chief Mädchen für alles". Wobei das natürlich nicht ganz stimmt, Kleiser kümmert sich um Strategie, Beteiligungen und Konzernentwicklung und seit September hat Schneidmald mit Hendrik Kempfert einen Vorstandskollegen, der sich übergreifend um den Verkauf kümmern wird. Da bleibt Schneidmadl mehr Zeit für die Internationalisierung. 

Denn im deutschsprachigen Raum kann VM nur noch bedingt wachsen. Auf Seiten der großen Vermarkter steht Adition laut Schneidmadl mit Googles Doubleclick-Lösung auf Augenhöhe im Markt. Das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Schneidmadl müsste sich für einen Vergleich auf eine große Kiste stellen. Und die Aussage gilt nur für den deutschsprachigen Raum. Aber immerhin, United Internet, Spiegel und die Otto-Gruppe nutzen den Adserver. Auf Agenturseite stimmt der Vergleich, neun von zehn großen Agenturnetzwerken nutzen Adition oder die Schwesterfirmen, darunter die GroupM, Publicis und Plan.net. In der Folge ist das Adition-Paket in Form des gleichnamigen Cookies auf allen Sites der AGOF-Top-20 zu finden. Natürlich müssen sich alle Virtual-Minds-Töchter der Konkurrenz erwehren, mehr als einhundert Adtech-Anbieter tummeln sich im Markt. Aber die meisten decken nur einen Teil der Aufgaben ab, wirklich komplette Systeme gibt es wenige. Und von den USA unabhängige erst recht nicht. 

Wobei Schneidmadl die Diskussion um die zahlreichen Konkurrenten schon fast als Zeitverschwendung betrachtet: "Der Blick muss sich auf Google richten." Daneben nennt er noch Facebook und Amazon. Also die US-Riesen, die sich bereits heute und in der Zukunft wohl erst recht, signifikante Teile des Marktes sichern. "Sie schöpfen einen Großteil der Werbegelder ab". Anders als vm verdienen die US-Riesen nicht nur an ihrer Technik, sondern auch noch über ihre Daten und die Vermarktung von eigenen und fremden Werbeflächen. Eine Ausgangslage, die nicht frei von eigenen Optimierungsinteressen sein kann. "Kompromittierend" ist das Wort, das Schneidmadl hierzu mit Bedacht wählt. 

Hinzu kommen neue Trends, die den Markt treiben. Etwa Header Bidding, ein Verkaufsmodell von Werbung, das einer echten Auktion näher kommt. Es soll so Preise und Umsätze auf Vermarkterseite erhöhen. Nur sind solche Themen weitaus komplexer, als sie sich auf den ersten Blick darstellen. Header Bidding ist laut Schneidmadl auch kein Heilsbringer. Hier kann er auch aufbrausend werden und spricht von "einem Irrsinn, wie blind viele diesem Thema hinterherlaufen, statt sich um eine marktgerechte Lösung zu kümmern". 

Schneidmadl hat die Gabe, solche Zusammenhänge präzise und verständlich zu vermitteln. Dies macht er auch regelmäßig. Er berät häufig Werbungtreibende sowie Agenturen und Medienunternehmen, egal ob sie die Technik von VM einsetzen. Der OWM lädt ihn genau so ein wie der BVDW. Er gilt als jemand, der sich intensiv mit der Zukunft auseinandersetzt, als jemand, der sich ständig und frühzeitig mit den disruptiven Veränderungen im digitalen Werbemarkt auseinander setzen muss und dabei stets das Ziel nicht aus den Augen verliert: "Einen (von US-Firmen) unabhängigen, gesunden Medien- und Werbemarkt", wie er sagt. 

Dabei ist auch VM nicht gänzlich unabhängig. Als Gesellschafter hat Schneidmadl mit 25,1 Prozent United Internet an seiner Seite, 51 Prozent hält seit 2015 ProSiebenSat.1. Der Rest der Anteile liegt beim Management. Den Anteil von United Internet hat Schneidmadl 2008 quasi selbst gekauft. Seinerzeit war der gelernte Ingenieur der Wasserwirtschaftstechnik noch auf Seiten des Web.de- und GMX-Konzerns für das Mediamanagementin Karlsruhe zuständig. Er hat dort unter anderem TGP mitentwickelt – Eingeweihte wissen, dass er damit zu den Pionieren in Sachen Predictive Targeting gehört. Nur es fehlte etwas: "Uns war damals klar, dass wir als United Internet Media einen eigenen Adserver brauchen, um unabhängig zu sein". Es war die erste Boomzeit der Adtech-Branche: 2007 ging erst Doubleclick an Google, wenig später wurde United Internet der deutsche Player Adtech von AOL vor der Nase weggekauft. Was blieb war Adition, übrigens eine Empfehlung vom damaligen Adtech-CEO Dirk Freytag. 

Heute sieht Schneidmadl United Internet und auch ProSiebenSat.1 als strategische Partner, die die Bausteine für ein weiteres Wachstum liefern. Das Bild einer Seilschaft wäre jedoch falsch. Dafür ist das Metier von VM zu weit vom Kerngeschäft der beiden Konzerne entfernt, Schneidmadl und seine Kollegen entscheiden weitgehend selbst, welche Gipfel sie besteigen. Wobei das für Schneidmadl eher "fliegen" bedeutet. VM und seine Töchter sind über fünf Standorte in Deutschland verteilt, wobei, wie er betont, das Herz der Unternehmensgruppe in Freiburg schlage. 

Hinzu kommen Büros im Schweizer Locarno und in London. Schneidmadl bevorzugte früher lange die Trips mit dem Auto. "Aber irgendwann optimiert man nur noch Zeit", sagt er. Der Flug von Basel nach München erspart beispielsweise eine knappe Stunde. Und bei drei Tagen, die er jede Woche unterwegs ist, summiert sich da so einiges. Wobei der Standort auf der Westseite des Schwarzwaldes nie zur Diskussion stand, auch nicht für Schneidmadl: "Aus Freiburg möchte ich nicht mehr weg". Und das sagt ein gebürtiger Schwabe aus Bayern.

 

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