Google versucht der Amazon-Dominanz im Cloud-Markt etwas entgegenzusetzen: In München stellte der US-Konzern Details zu seiner Strategie für den deutschen Markt vor. Google bietet den Cloud-Business-Kunden künftig Apps und die Speicherung der Daten in Deutschland an - dafür wird ein Rechenzentrum in Frankfurt/Main aufgebaut.

"Wir kommen damit einem häufig geäußerten Kundenwunsch nach", so Google-Urgestein Urs Hölzle. Der Schweizer ist bei dem Internet-Konzern für die technische Infrastruktur zuständig und sieht den Aufbau der Infrastruktur als "einen Schritt zur Europäisierung" Googles. Unternehmen in Deutschland, der Schweiz und Österreich werde man damit eine spürbar bessere Netzanbindung bieten können.

Google reagiert mit dem neuen Angebot aber auch auf die anhaltenden Sicherheitsbedenken der Kunden, die das Geschäft mit Cloud-Angeboten vielfach ausbremsen. Hölzle betonte, Google habe in sämtlichen Cloud-Regionen keinen Zugriff auf die Daten der Kunden. Diese seien verschlüsselt und somit für den Internet-Konzern nicht einsehbar.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hob zur Eröffnung der deutschen Google-Cloud-Region die Bedeutung der Digitalisierung als "größter Innovationstreiber der Menschheitsgeschichte" hervor. "Die Cloud ist dabei ein wesentlicher Aspekt, und gerade für den Mittelstand schlummern hier noch enorme Potenziale. Schnelle Reaktionszeiten und europäische Datenschutzstandards sind für viele Unternehmen in diesem Kontext ein wichtiges Kriterium." Mit der Google-Cloud-Region Deutschland stehe jetzt ein "weiterer Baustein für die Digitalisierung der Wirtschaft bereit".

Laut Michael Korbacher, Director Cloud für Deutschland, Österreich und die Schweiz, verstärkt Google nun die Kundenteams an den Standorten München, Frankfurt, Hamburg und Berlin. Mit Hilfe des neuen Partners SAP will er noch mehr große und kleine Unternehmen von Google überzeugen. Zu seinen Kunden zählen bereits Rewe Digital oder Kärcher.

Die wichtigsten (internationalen) Player im Markt sind Amazon, Microsoft, IBM und Google, wie Zahlen der Marktforscher von Synergy Research Group unterstreichen.

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Nicht nur Google will mehr vom Cloud-Kuchen, auch Microsoft zeigt Ambitionen Amazon unter Druck zu setzen. Der US-Konzern will mit der Cloud bei kleineren Firmen punkten. Im Juli nutzte CEO Satya Nadella die Hausmesse "Inspire", um neue Produkte vorzustellen. Eines davon ist "Microsoft Business 365", ein Komplettpaket für den Einsatz in kleinen und mittleren Unternehmen, basierend auf den bekannten Komponenten Windows und Office und angereichert mit integrierten Cloud-Angeboten.

Der US-Preis: 20 Dollar pro Monat pro Arbeitsplatz. Dafür gibt es im Gegenzug regelmäßige Aktualisierungen, neue Funktionen und Sicherheitsupdates. Die Idee hinter dem Bündelangebot ist nicht nur, über einen Preisvorteil Kunden anzulocken. Es ist, wie Nadella sagt, "eine völlige Abkehr von der Art und Weise, wie wir Produkte entwickelt haben". Er will Lösungen statt einzelner Bausteine.

Wenn zudem alle wichtigen Microsoft-Produkte bereits auf dem Kunden-PC vorhanden sind, wird es einfacher für die Partnerunternehmen, die weltweit Systeme installieren, warten und ausbauen, zusätzliche Verträge mit Unternehmenskunden abzuschließen. Zum Beispiel, wenn mit maßgeschneiderten Apps künstliche Intelligenz oder Big-Data-Analyse zusätzlich integriert wird. Alles natürlich basierend auf Microsoft Azure-Cloud, nicht auf Amazons AWS oder Googles Cloud-Diensten.