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Ulrike Handel Portraet
© Raimar von Wienskowski
Mensch-Maschine

Ulrike Handel - Dentsu Aegis' agile Digital-CEO

Die Agenturgruppe mit ihren Marken durch die digitale Transformation und in ein neuen Mindset führen - Ulrike Handel hat viel vor.

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Der Mensch: Dr. Ulrike Handel, CEO des Dentsu Aegis Network in Deutschland und seit April eine der wenigen Frauen an der Spitze eines deutschen Networks. Die Maschine: eine in 145 Ländern vertretene Agenturgruppe mit 40.000 Mitarbeitern, 1.300 davon in Deutschland, konfrontiert mit den Herausforderungen der digitalen Transformation und dem Streben nach einem völlig neuen Mindset.

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Als Dentsu Aegis zum Jahresbeginn die Ablösung des bisherigen CEO Zoja Paskaljevic durch Ulrike Handel verkündete, hielt man sich mit näheren Erläuterungen zum überraschenden Wechsel an der Spitze des Networks zurück. Lars Bo Jeppesen, Regionalchef von Dentsu Aegis Network, fand für Paskaljevics zweijähriges Engagement nur lobende Worte, nun aber solle Handel die Gruppe "in die nächste Phase der strategischen Entwicklung führen".

Was das für die unzähligen Agenturmarken wie Carat, explido iProspect, Isobar, MKTG, Postercope, The Story Lab, Vizeum & Co. bedeutet, war zu diesem Zeitpunkt völlig unklar. Galt Paskaljevic als vehementer Vertreter eines radikalen Wandels in der Branche, musste man Ulrike Handel noch einordnen. Strategische Entwicklung, nächste Phase - gute und schöne Phrasen, denen im Idealfall große Taten folgen sollten, zumal es innerhalb der Gruppe im vergangenen Jahr nicht immer ruhig zuging.

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Dabei hat sich Handel ihre Sporen längst verdient: elf Jahre bei Axel Springer SE stehen in ihrem Lebenslauf, unter anderem als Mitglied der Verlagsgeschäftsführung der Welt-Gruppe/Berliner Morgenpost. Bei Stepstone, also im Haifischbecken des hart umkämpften Marktes der Online-Jobportale, verantwortete sie den Bereich „Digital Classifieds“. Sowas macht niemand, der leicht aus der Ruhe zu bringen ist oder Herausforderungen scheut.

Danach ging es zu Ad Pepper Media International, wo Handel seit 2013 als Vorstandsvorsitzende den Turnaround und das Wachstum der Gruppe verantwortet hat. Schon ein Blick auf den Börsenkurs der letzten fünf Jahre zeigt, dass sie offenbar einen guten Job gemacht hat und den Abwärtstrend der Vorjahre stoppen konnte. Im Februar 2016 erschallte ihr "We made it!": Erstmals seit Bestehen der Gruppe vermeldeten alle operativen Gesellschaften ein positives Geschäftsergebnis, gepaart mit einem Rekordumsatz. In ihrer Zeit wurden die drei operativen Bereiche Webgains, Ad Agents und Ad Pepper Media herausgebildet, die die Holding bis heute kennzeichnen.

Das Identifizieren und Herausbilden von Potentialen und Entwicklungsfeldern dürfte also zu Ulrike Handels Kernkompetenzen gehören. Für einen damit einhergehenden Veränderungsprozess braucht man klare Visionen, aber eben auch die nötige Expertise. Noch viel wichtiger: man muss die eigenen Mitarbeiter abholen, mitnehmen und eine gemeinsame “Denke” entwickeln. Was in Projekt-Teams vielleicht noch funktioniert, stellt schon wesentlich kleinere Agenturen vor eine unlösbare Aufgabe. In einem Network mit mehr als 1000 Mitarbeitern, in dem schlussendlich alle Zahnrädchen ineinandergreifen sollen, entscheidet dieses gemeinsame Mindset über Erfolg oder Niedergang.

"Ich habe Dentsu Aegis als Network mit einer ausgeprägten Innovations- und Veränderungskultur und beeindruckenden M&A-Erfolgen kennengelernt. Dieses einzigartige Setup ist die perfekte Basis, um in Zukunft neu und anders zu denken, zu handeln und zu arbeiten." Ulrike Handel

Ulrike Handel hat sich hierzu u.a. "Agile Working" auf die Fahne geschrieben - und scheint wenig Ambitionen zu haben, hier halbe Sachen zu machen. Seit diesem Jahr gehören starre Arbeitszeiten der Vergangenheit an. In Düsseldorf, Hamburg, München, Wiesbaden und Augsburg wird nun im Rahmen der individuellen Wochenstunden gearbeitet, aber nicht mehr im starren Zeitfenster von 9 to 5. Damit nicht genug: sofern die Voraussetzungen stimmen, kann der einzelne Mitarbeiter seinen momentanen Arbeitsort verlegen.

Effizienter und flexibler will man also werden, doch hinter solchen radikalen Änderungen steht eben auch ein Kulturwandel in einer Branche, die bei aller Kreativität und Innovationsbereitschaft in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil sehr behäbig geworden ist. Das Infragestellen von Prozessen, Strukturen und Hierarchien sorgt zudem immer auch für Unruhe, die sich bei DAN und insbesondere bei Carat auch in personellen Abgängen auf oberster Ebene offenbarte.

Funktionieren kann so ein Kulturwandel also nur, wenn Unternehmen und Mitarbeiter einander vertrauen und neben einem gemeinsamen Ziel ein Miteinander etablieren. Zugleich erstreckt sich die neue Eigenverantwortung auch auf die Heraus- und Anforderungen, die nun auf den Einzelnen zukommen: unternehmerisches Denken ist gefragt, eine Balance aus Frei- und Gestaltungsspielräumen sowie Pflichterfüllung muss gefunden werden.

Zudem steht fest: Während der starre äußere Rahmen verschwindet, dann geschieht das nicht zum Selbstzweck. Vielmehr wird es auch im Innern zu einem weiter fortschreitenden Wandel kommen. Der Umbau des Geschäftsmodells des Networks, neue Produkte, Strukturen und Prozesse, eine Perfektionierung und eventuelle Automatisierung des Kerngeschäfts, der Aufbau und die mögliche Akquise neuer Glieder der Wertschöpfungskette, das Überdenken der Ertragslogik oder eine synergetische Verknüpfung der einzelnen Agenturen stehen auf der To-Do-Liste von Ulrike Handel.

Sie wird ihre digitale Expertise und ihre branchenübergreifende Vernetzung in die Waagschale werfen, wie in ihrer bisherigen Karriere strategisch vorgehen, entsprechend schnell adaptieren, disruptive Schritte ebensowenig scheuen wie die Konfrontation mit den Wettbewerbern und alles daran setzen, die deutsche Dentsu Aegis Gruppe auch innerhalb des internationalen Networks stärker zu positionieren.

(Bernd Rubel)

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